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Wählscheibe

Das erste Telefon, an das ich mich erinnern kann. Unseres war “nackt”. Oma hatte ihres in einem weinroten Brokatbezug verpackt. Das Kabel war feinsäuberlich verstaut, soll heißen: Das Telefon stand, wo es stand und beim Telefonieren war man an eben genau diesen Ort festgetackert. Aber lange Gespräche hat man eh nicht geführt, das war schließlich teuer. (Ortsgespräche 23 Pfennig für acht Minuten, Ferngespräche, also alles mit ‘ner Vorwahl, teurer).
Bis 1965 konnte man übrigens für 20 Pfennig im Ortsnetz so lange telefonieren wie man wollte. So steht es zumindest in diesem Wiki-Artikel über Telefonzellen, die selbstverständlich auch noch mit Zahlen zum Selberdrehen ausgestattet waren.
Das Wählen mit der Wählscheibe hatte etwas meditatives. War ja weit vor SMS-Zeiten, das wäre mir sonst etwas ZU meditativ geworden. Zum Glück waren die Telefonnummern innerorts ja recht kurz. Unsere war fünfstellig.

Bei Einschlafproblemen einfach mal in Schleife laufen lassen: Der Klang der Wählscheibe

Zum Stöbern: Geschichte der Telekommunikation

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  1. …und dann gab es zeitweise Aussetzer, Unterbrechung oder Gesprächs oder Knackgeräusche.
    Fuhr man zum Kunden (damals hieß der “Fernsprechteilnehmer”) war die erste Frage: “Ist Ihnen das Gerät heruntergefallen oder haben Sie es kraftvoll ‘abgestellt’?”
    “Nnnnneeeinnnn – eigentlich nicht…!
    Eigentlich? Also ein klares: “Jawoll – genau so war’s!”
    Dann war mit Sicherheit die Platine gebrochen und damit die aufgebrachten Leiterbahnen getrennt – genau an der Stelle, wo der Trafo gesessen hat. Der war recht schwer und wenn der Herr des Hauses mal in Brass den 611er auf den Tisch knallte, hielt die Leiterplatte dem an dieser Schwachstelle nicht stand.
    Weitere Schwachstelle: die Schnur zum Hörer. Die wurde gern während des Gesprächs in Gedanken um den Finger gewickelt, wobei die Litze im Inneren reißen konnte.
    Die Sprechkapsel konnte man durch mäßig-heftiges Klopfen auf den Tisch zu neuem Leben erwecken, weil dadurch die verklebten Kohlekörnchen sich wieder von einander lösten und das Ding wieder funktionierte.
    Das einzige Teil, für welches es keinen Ersatz gab, war die Grundplatte. Dort stand unten das Herstellungsdatum drauf, woran man ggf. die Höhe der finanziellen Beteiligung des Kunden fest machte, wenn der Einsatz kostenpflichtig wurde (bei vorsätzlicher Zerstörung oder unsachgemäßem Gebrauch).
    Einmal hatten wir nach einem heftigen Gewitter auf dem Land keine Ersatzgeräte mehr – schließlich waren wir im oberirdischen Leitungsbau tätig.
    Um die alten Leute auf dem Bauernhof aber nicht das Wochenende ohne diese Nabelschnur zur Außenwelt zu lassen, haben mein Kumpel und ich den Gaslötkolben an die 11 kg-Flasche geklemmt und die einzelnen Bauteile mit Schaltdraht zusammengelötet. Den Schaltplan hatten wir leidlich im Kopf (solide Ausbildung) und zum Glück waren nur die Leiterbahnen geschmolzen – die Bauteile waren intakt und so hielt unser Konstrukt locker übers Wochenende… War ein fankbares und robustes Gerät!

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    • Ach ja: Ein Fernsprechanschluss kostete damals 250,- DM (!) und das war eine Menge Geld. Später konnte man eine Übernahme (wenn der Vormieter einen Anschluss hatte) für 60,- DM bekommen, wenn diese innerhalb von drei Monaten nach Kündigung erfolgte.
      Monatliche Gebühr war 23,50 DM und eine Einheit (im Ortsgespräch) gab es für 23 Pfennig. Die Auskunft konnte man endlos für 20 Pfennig anrufen.
      Ferngespräche konnten einen Anschlussinhaber fast ruinieren…

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  2. Wir hatten das grüne Telefon und ein Wählscheibenschloss. Das kam immer in die 1 rein. Jahre später fiel mir ein, das wir nichtmal 112 hätten wählen können. Gabelwählen kannte ich erst als es die Gabel nicht mehr gab.

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  3. Und dann gabs dafür noch den Plüschüberzug. Huaaa, hässlich!!! Und natürlich das Wählscheibenschloss. Um dann doch telefonieren zu können, musste man mit schnellem Finger auf die Impulse auf der Kabel nachklopfen. Schwierig bei der Null, weil man 10x innerhalb von kürzester Zeit auf die Gabel heuen musste…

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  4. *lach* Es gab auch keine Rufnummernübermittlung, deshalb konnte man ungeschoren Telefonstreiche verüben. 😀

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  5. Das einzig gute an diesen Telefonen war ja: Es gab die Wahlwiederholungstaste nicht und so konnte der Ehemann heimlich noch die 0190 Nummern anrufen LoL

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  6. Wir hatten auch das grüne.. Und bei uns im Ortsnetz waren die Nummern nur dreistellig.. Einige kann ich heute noch.. :-))))

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  7. Ich glaube die poppigen Farben kamen erst etwas später. Wir sind dann zu Grün gewechselt. ^^

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  8. Nicht zu vergessen: Gab es nur in den angesagten Farben Business-Grau, Müllmann-Orange und Spinat-Grün. Es sei denn, man war ein Kindergarten und konnte sich für (schluck) 100 Mark das sensationelle Micky-Maus-Telefon kaufen.

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